Montag, 18. Dezember 2017

Wie erkennt man einen guten Nephrologen?

Eigentlich wollte ich einen Beitrag zum Thema "Dialysestart" schreiben. Darin sollte es darum gehen, was man als Patient beim Dialysebesuch beachten sollte, worauf die "Götter in Weiß" meist eher nicht kommen.

Jetzt geht es aber um den "Gott in Weiß", der in Jeans und Polohemd durch die Dialyse Heilbronn umherwanderte. Es geht um Prof. Dr. Michael Rambausek. Wenn er nicht in Heilbronn war, quälte er Studenten in Heidelberg. Hatte man nach einem Prüfungsmarathon einen Termin in seiner Praxis, erzählte er gerne von seinen Studenten und typischen Fehlern, die ihnen passierten.

Im März 2010, kurz nach einem unerklärlichem Anstieg der Nieren- und Leberwerte, wechselte ich wegen meines Studiums in die Nephrologische Ambulanz nach Heilbronn. Der erste Termin war schwierig zu bekommen, wie, so wie ich es mitbekomme, in allen nephrologischen Ambulanzen. Als ich dann die Vorstellung beim Prof. Rambausek hatte, fühlte ich mich gleich gut aufgehoben. Er interessierte sich nicht nur für meine lange "Diagnoseliste", sondern auch für mein Privatleben: Warum ich nach Heilbronn gekommen bin? Was ich bisher gemacht habe? Was ich nach meinem Studium noch vorhabe? Er nahm sich immer Zeit für seine Patienten. Dann nimmt man gerne längere Wartezeiten in Kauf. Ich zumindest ;) In der Praxis selbst arbeiten drei Ärzte, aber wie "Rambo" gerne sagte: "Frau Kordic nehme ich!" Es passte einfach.

Ich weiß noch, als ich das erste mal den europäischen Kontinent mit einer Kreuzfahrt verlassen wollte. Es sollte unter anderem nach Tunesien und Ägypten gehen. Ich frage, ob ich denn noch irgendwelche Impfungen benötigen würde. Er nur: "Haben Sie vor dort Sex zu haben?" Ich nur: "Ich habe einen Freund!" Er wiederholte seine Frage. Wir lachten. Ich verneinte. Er antwortete, dass dann schon alles ok sei.

Er ermutigte die Patienten, das zu tun, was sie für richtig hielten. Auf das Bauchgefühl hören und nicht wie in manchen TX-Zentren üblich sich an alle "Verbote" akribisch zu halten.

Im März 2014, 4 Jahre später in denen ich ca. alle 6 Wochen bei ihm zur Kontrolle war, kam ich während eines Aufenthaltes zu Hause (in der Nähe von Münster) wieder an die Dialyse. Die Ärzte der Uni-Klinik Münster telefonierten vorsorglich schon mit Heilbronn und richteten mir nur aus: "Da ist ein Arzt. Der heißt irgendwas mit Ram... Er wünscht Ihnen alles Gute und dass Sie wann immer Sie wollen zu ihm in die Dialysepraxis kommen können. Egal in welche Schicht Sie möchten. Er kümmert sich darum." 6 Wochen später war es dann auch so weit und ich setzte mein Studium in Heilbronn fort. Parallel dazu nun auch natürlich mit Dialyse am Abend von 18 - 23 Uhr.

Die erste Dialyse hatte ich in der Mittagsschicht, da die Spätpatienten erst mal den Umgang mit der Maschine erlernen müssen. Er kam zu meiner 1. Dialyse in Heilbronn persönlich vorbei. Er erkundigte sich wie es mir geht und machte mir Mut, dass schon alles klappen wird (zu dem Zeitpunkt stand mein Vater für eine Lebendspende auf dem Plan). Er ging aus dem Zimmer und meine Mutter fragte mich: "Wer war das denn?" Ich nur: "Der Professor hier." Ich hatte ihr schon ab und an mal von ihm erzählt. Ihr Kommentar: "Er sah aus wie ein Bauarbeiter!". Ja, genau so war er. Meist in Jeans und Hemd und total ungezwungen. Nach einer Woche Mittagsschicht kam ich in die Spätdialyse. Ich freute mich immer, wenn er Dienst hatte. Die anderen Ärzte waren zwar auch sehr kompetent und super nett, aber bei ihm war es persönlicher.

Eines Tages kam er in das Dialysezimmer an meine Liege und meinte nur: Na, meine Freundin. Geht es dir gut?" Ich nur: "Wie immer und dir?" Von dem Zeitpunkt an war klar, dass wir uns duzen. Er war auch immer sehr charmant und humorvoll. Das ist auch wichtig: Nie den Humor verlieren! Und dennoch konnte man immer mit ihm persönlich reden, wenn es mal um etwas Persönliches ging.

Warum ich das gerade heute schreibe? Ich habe vor ca. 1 Stunde von einer ehemaligen Mitpatientin erfahren, dass er am Samstag, den 16.12.2017 im Alter von 63 Jahren an einer schweren Erkrankung verstorben ist. Gerade erst vor wenigen Wochen schrieb ich eine längere Mail an das Zentrum, um ihm und auch dem ganzen Personal zu schreiben, wie gut es mir jetzt mit der neuen Niere geht. Ich habe mich für die Zeit in Heilbronn bedankt und hatte auch vor, demnächst mal vorbei zu sehen. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich das letzte Mal Anfang Januar 2015 da war und die ganze Zeit lediglich über Grüße ausrichten ließ, wie es mir geht. Was sagt uns das? Nichts aufschieben!

Also, wenn ihr die Diagnose eines Nierenleidens habt und einen Nephrologen sucht, hoffe ich, dass ihr so viel Glück haben werdet, wie ich es hatte. Ein Arzt, der sowohl kompetent als auch menschlich einfach toll war. Der sich für alle Belange, auch Persönliche, die den Patienten betreffen, die Zeit nimmt, die es braucht. Der immer ein offenes Ohr hat und auch mal Patientinnen Mut machen möchte, sich vielleicht doch nochmal listen zu lassen ;) Ein Arzt, der einem das Gefühl gibt, dass einem alle Wege offen stehen und man mehr auf sein Bauchgefühl hören soll statt auf "Regeln".

Ich wünsche seinen Angehörigen vor allem nun zum bevor stehenden Weihnachtsfest viel Kraft.

Danke für alles!

1 Kommentar:

  1. ich kannte ihn auch als Arzt. über seine Todesanzeige bin ich auf diese Seite gekommen, zuletzt gedehen habe ich ihn im Oktober da war er nich fit wie immer, es ist leider ein sehr großer Verlust :(

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